Sonntag Rogate

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Calixt VorAbendMusik

Zwar sind inzwischen Gottesdienste wieder gestattet, aber was da erlaubt ist, erfüllt die Gemeinden nicht mit Freude. Konzerte mit vielen Mitwirkenden und Chorproben sind derzeit nicht möglich; und so hat sich die evangelische Kirchengemeinde Georg Calixt in Helmstedt dazu entschlossen, eine besondere Aktion ins Leben zu rufen: Die VorAbendMusik auf https://www.georg-calixt-helmstedt.de/kirchenmusik/ Jeden Samstag um 19:00 Uhr gibt es eine neue Aufnahme aus dem reichen musikalischen Leben in der Georg-Calixt-Gemeinde Helmstedt.

6. Sonntag nach Ostern – Rogate

Zu Beginn gibt es einen Auszug aus der 2017 produzierten CD „Formenspiele“. Mathias Michaely interpretiert hier unterschiedliche Bearbeitungen zum Kirchenlied „Vater unser im Himmelreich“ (vgl. EG 344).

“Vocem iucunditatis annuntiate, et audiatur.”
„Verkündet es jauchzend, damit man es hört!“

Jes 48,20

„Vater Unser im Himmelreich“ in verschiedenen Bearbeitungen

Georg Böhm (1661 – 1733): Orgelchoral
Johann Nepomuk David (1895 – 1977): Partita „Fast langsam“ – „im gleichen Zeitmaß“ – „Langsam“
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750): Orgelchoral BWV 737

Vater unser im Himmelreich. Mathias Michaely an der Fritzsche-Treutmann-Orgel der Ev. Schlosskirche St. Levin in Harbke

Die CD ist über die Gemeinde Georg Calixt Helmstedt erhältlich.

Hintergrundinformationen

Der nachfolgende Text ist aus dem Booklet zur CD entnommen. Text: Mathias Michaely

Alte Musik trifft 20. Jahrhundert? – Ein Experiment in Harbke

Das anbrechende zwanzigste Jahrhundert brachte einen epochalen Einschnitt mit sich. Seit 300 Jahren war die Musik dem System von Dur und Moll gefolgt – Komponisten wie Richard Wagner und Sigfrid Karg-Elert machten nun klar, dass dieser Weg an sein Ende angekommen war.
Wie nun das Material organisieren, wenn die Möglichkeiten des Dur/Moll-tonalen Systems ausgereizt sind? Es begann ein Ringen um neue Ordnungsprinzipien. Die Reihentechnik der Dodekaphonisten ist hier zu nennen, Messiaens „modes à transposition limitée“ oder auch Hindemiths „Unterweisung im Tonsatz“, wo versucht wird, unter Beibehaltung eines tonalen Zentrums alle irgendmöglichen Zusammenklänge funktional und hierarchisch neu zu systematisieren.
Abseits dieser Strömungen ging die evangelische Kirchenmusik in Deutschland einen eigenen Weg. Abgesehen davon, dass sich der Schwerpunkt des Musiklebens weg von Kirche und Orgel in die Sphäre des bürgerlichen Konzertbetriebs, der Oper und der Kammermusik verschoben hatte, sah man in der klassisch-romantischen Epoche insgesamt eine verhängnisvolle Entwicklung zum Subjektiven und lehnte die Musik von 1750 bis 1900 prinzipiell als emotional und substanzarm ab. Folglich suchte eine ganze Generation von Komponisten ihr Heil in der Retrospektive.
Alte Musik, alte Stimmungssysteme, historische Instrumente rückten nach und nach ins Zentrum des Interesses und es entstand eine Musik, die versuchte, wieder direkt bei den Alten Meistern bis hin zu Johann Sebastian Bach anzuknüpfen. Historische Formen und streng polyphone Strukturen verbanden sich nun mit gemäßigt moderner, quartbetonter Harmonik. Die Musik war zwar kühl und dissonant, aber unbedingt fassbar und vor allem cantus-firmus-fähig und somit tauglich für die liturgische Praxis.
Heute ist diese Art Musik völlig aus unserem Blickfeld verschwunden. Leichter konsumierbare Klänge aus der so genannten Popularmusik und der weltweiten Ökumene haben sie verdrängt. Aus der intensiven Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Fritzsche-Treutmann-Orgel entstand die Idee, einen neuen Blick in einen vergessenen Literaturbereich zu werfen. Tatsache ist, dass sich die Kompositionen dieser Zeit in ihrer Klarheit und Linearität ausgesprochen organisch mit barocker Musik verbinden. Dazu findet sich, bedingt durch die Abkehr der Komponisten vom romantisch-symphonischen Orgeltyp der Jahrhundertwende in der Harbker Orgel ein hierfür hervorragend geeignetes Instrument. Das daraus entstandene Programm liegt nach der erfolgreichen Aufführung im Rahmen des Harbker Orgelsommers nun auch auf CD vor.

Das Instrument

Die Orgel (Gottfried Fritzsche 1622/Christoph Treutmann 1728, restauriert 2007 durch Jörg Dutschke und Kristian Wegscheider)

Hauptwerk II C,D-c“
Principal 8′
Gedact 8′
Quintatön 8′
Octave 4′
Spitzflöte 4′
Quinta 3′
Octave 2′
Spitzflöte 2’#
Schwigel 1′
Mixtur 3f
Choralcimbel 3f
Trompete 8′

Rückpositiv 1 C,D-c“
Gedact 8′
Principal 4′
Flöte 4′
Octave 2′
Quinta 1 1/2′
Octave 1′
Scharf 3f Cromhorn 8′

Pedal C,D-c
Subbaß 16′
Posaune 16′

Spielhilfen
Pedalkoppel II-P
Manualkoppel (Schiebekoppel) I-II
Tremulant
Cimbelstern
Calcant (Motor)
Ventil ins Hauptwerk
Ventil ins Rückwerk

Der Interpret

Geboren 1963 in Saarbrücken, erster Orgelunterricht bei Gunther Hoffmann. Studium der ev Kirchenmusik in Herford und Detmold. 1991 A-Examen. Interpretationskurse u.a bei Ludger Lohmann und Wolfgang Zerer. 1996 Preisträger im Internationalen Wettbewerb der Orgelkulturstiftung der Hansestädte in Elburg. Von 1996 bis 2000 Orgelsachverstandiger der ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig, Konzerte im In- und Ausland. Uraufführungen, CD Produktionen. Lebt und arbeitet seit 1994 in Helmstedt als Propsteikantor und Kirchenmusiker der Stadtkirche St Stephani

Mathias Michaely am Spieltisch in Harpke
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